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12th
MAI

Ein billiger Werbegag zu E10

Abgelegt unter Wirtschaft/Politik

[Gastartikel]

Der inzwischen ja nicht mehr ganz so neue Biosprit Super E10 hat bislang an deutschen Tankstellen nicht überzeugen können. Vielmehr bleiben die Tankstellen -was niemand zu glauben gewagt hatte- auf dem Zeug sitzen. Jetzt soll hier und da „nachgebessert“ werden und sowohl Industrie als auch Politik kommen auf die absurdesten Ideen, um uns Verbrauchern E10 schmackhafter zu machen.

Der Biosprit verdient das Siegel „Bio“ eigentlich nicht, denn sowohl bei der Produktion als auch beim Verbrauch wird die Umwelt alles andere als geschont. Dennoch war es ein wenig verwunderlich, dass der neue Kraftstoff so schlecht von den Verbrauchern angenommen wurde. Normalerweise lassen sich viele Menschen von vermeintlichen Bio-Siegeln unter dem Deckmantel des Umweltschutzes gerne blenden und nehmen auch bereitwillig erhöhte Kosten dafür hin. Vorliegend zeigt sich jedoch, dass die Deutschen beim Auto, also ihrem „liebsten Kind“, dann doch ein wenig genauer hinsehen und sich erst Gedanken machen, bevor sie mit blindem Gehorsam einen vermeintlichen Umweltschutz unterstützen.

Hauptgrund für das Scheitern ist indes ein anderer: nicht die Tatsache, dass der Verbrauch eines Motors mit E10 um mehrere Prozent ansteigt, so dass sich der Vorteil zu klassischem E5 (also „normalem Superbenzin“) wieder relativiert, auch nicht, dass in einigen Regionen der Welt Regenwald gerodet wird, um entsprechende Anbaufelder zu schaffen, sondern in erster Linie die bestehende Unsicherheit zu den Langzeitfolgen für den Motor. Zwar kann man schon heute mit Sicherheit sagen, dass einige Alt-Fahrzeuge E10 keinesfalls vertragen und daher diese Alt-Fahrzeuge E10 nicht tanken sollen (genauere Angaben dazu konnten ja bereits hier nachgelesen werden). Aber kein Experte konnte bislang -mangels Langzeitstudien- sagen, wie sich E10 über einen längeren Zeitraum gesehen auf den Motor von neueren Fahrzeugen auswirkt. Kurzfristig soll es da zu keinen Problemen kommen, langfristig haben die Verbraucher jedoch die Sorge, sich den Motor möglicherweise damit zu zerstören bzw. die Laufleistung zu verringern.

Bild von eaubscene

Daher sitzen die Konzerne nun auf Massen von E10-Sprit, den sie an ihren Tankstellen nicht loswerden. Die Konzerne können E10 nicht ewig lagern, machen also Verlust, wenn sie den Sprit nicht loswerden. Zudem müssen sie für Akzeptanz bei den Verbrauchern sorgen, da sie von der Politik verpflichtet wurden, einen bestimmten Prozentsatz an erneuerbaren Energien im Transportsektor zu produzieren – so will es eine EU-Richtlinie. Und Deutschland will bzw. wollte die Richtlinie gerne umsetzen, indem E10 zur Haupt-Benzinsorte werden soll(te).

Somit setzen die Konzerne natürlich alles daran, die Akzeptanz von E10 beim Verbraucher zu erhöhen. Nur so werden sie „ihr Zeug“ los und vermeiden große finanzielle Verluste. Neben Werbung und Aufklärungsmaßnahmen hat sich ein Öl-Konzern etwas Besonderes einfallen lassen und bietet eine E10-Versicherung an, um den Verbrauchern die größte Angst, nämlich die Sorge vor der Beschädigung des Fahrzeugs durch E10 zu nehmen. Das hört sich zunächst sehr positiv an, zumal diese Versicherung kostenlos angeboten wird!

Wenn man allerdings das „Kleingedruckte“ genauer ansieht, bleibt vom positiven Eindruck nicht mehr viel übrig, wie der ADAC gegenüber sz-online bekannt gab. Die Versicherung gilt nämlich nur, wenn mindestens 80% des verbrauchten E10-Kraftstoffs bei Tankstellen eben dieses Konzerns selbst getankt wurden. Um diesen Nachweis zu führen, muss man beispielsweise sämtliche Quittungen aufbewahren und Tanken bei günstigeren Konkurrenz-Tankstellen vermeiden. Und als wäre das nicht schon schlimm genug, endet die Versicherung auch bereits nach 1 1/2 Jahren – ob sich in dieser vergleichsweise kurzen Zeit wohl schon irgendwelche „Langzeitfolgen“ zeigen?

Es wird wohl darauf hinauslaufen, dass E10 auch weiterhin vom Großteil der Verbraucher nicht akzeptiert wird. Entweder wird man uns den Sprit später einfach „unterjubeln“, „normales“ E5 gänzlich abschaffen, um zum Tanken von E10 zu zwingen oder „normales“ Super E5 so teuer machen, dass man kaum noch darum herum kommt, auf E10 auszuweichen. Sollten all diese Versuche fehlschlagen, drohen saftige Geldstrafen der EU wegen Verletzung der Richtlinie, denn andere Ideen zur Umsetzung der Richtlinien existieren scheinbar derzeit überhaupt nicht – man kann sich denken, wer diese Strafzahlungen dann in Form zusätzlicher (Mineralöl-)Steuern bezahlen darf.

Wie handhabt Ihr es mit E10? Schon getankt?

(Sascha)

(Kleiner Zusatz wegen des Urherberrechts des oben gezeigten Fotos)
http://www.flickr.com/photos/eaubscene/ / CC BY 3.0

Leser Kommentare

  1. Alex |

    Hey Sascha

    Also ich habe bislang noch kein E10 getankt und werde es auch nicht. Mein Flitzer kriegt nur Super98! 😀
    Wie schaut’s bei dir und den anderen hier drin aus?

    Gruß, Alex

  2. mac |

    Bis dato habe ich noch kein E10 getankt, da ich Gott sei Dank einen Diesel fahre. Aber die Beschwerden meiner besseren Hälfte solltest du mal hören! Sie hat sich jetzt sogar den Kauf eines neuen Autos überlegt, bei ca. 100 Kilometer pro Tag ist das echt zu überlegen!

    Gruß
    Matthias

  3. Alex |

    Hey mac

    Ich war auch stets Diesel-Fahrer (mensch, kommt man da mit einer Tankfüllung weit!). Aber seit Ende 2008 bin ich nun zum Benziner geworden.
    Welche Beschwerden hat denn deine bessere Hälfte? Die Beschwerden an der Zapfsäule, wenn der Endpreis aufleuchtet? 😀 Tankt sie denn Benzin?
    100km am Tag sind ja schon mal ein Stück, da ist eine Überlegung nie verkehrt. Vor allem wird auf solch einer Distanz auch ein Dieselmotor warm. Bei kürzeren Strecken ist da ja eher ein Benziner angebracht, aber bei 100km…
    Gruß zurück und ein baldiges Wochenende,

    Alex

  4. Gast-Artikel: Versicherung gegen E10-Schäden – brauchbar oder nur billiger Werbegag? | GESICHTET.net |

    […] Artikel Ein billiger Werbegag zu E10 habe ich mich mit dem Angebot von Shell auseinandergesetzt, die eine kostenlose Versicherung […]

  5. vanilleblau |

    Also wenn ich ehrlich sein soll, ich halte das für die totale Verarschung jedes „Zwangstankers“. Vordergründiger kann man gar nicht versuchen den E10 Absatz in die Höhe zu schrauben. Die Versicherung ist komplett für den Eimer, denn eines ist auch sicher: Wenn jemals jemand irgendwelche Probleme haben sollte, dann ist sicher nicht der Biosprit schuld (wobei Bio hier schon der nächste Betrug ist). Und wer nicht jeden Zettel penibelst gesammelt hat dem wird man sicher „unzureichendes Beweismaterial“ anhängen und sich vor einer Schadenszahlgung drücken. Selbstverständlich kann ma ja auf dem Zivilweg dann versuchen einen Cent von den Banditen zu bekommen. So ein Beschiss 🙂

  6. sue |

    Ich würde ja aus Kostengründen zähneknirschend E10 tanken, aber mein Auto will das nicht. Nissan mag erst ab Bj.2000, andere Auskünfte habe ich nirgends bekommen. Noch rollt der Nissan ohne Probleme – so soll es bleiben, Lust auf Experimente habe ich nicht (klar, aus Kostengründen). Also bliebe mir nur teurers Super – allerdings habe ich in den letzten Wochen oft das Problem, dass sämtliche Tankstellen kein Benzin in den Tanks haben. Einfach leer, kein 95er, kein 98er. Wer E10 nicht tanken darf, hat ein Problem.
    Mann hats in seinem Ford aber wohl drin und fährt ohne Beschwerden – bislang ist der Motor noch heil. Zumindest hat er dadurch nicht das Problem, nicht nachtanken zu können.

  7. Alex |

    Hallo vanilleblau und sue

    Zuerst einmal ein herzliches und warmes Willkommen hier auf offenesblog.de.

    – vanilleblau, also nach deinem Kommentar, weiss man definitiv wie du gegenüber E10 eingestellt bist! 😀 Aber deine Anmerkungen sind schlüssig und nachvollziehbar.

    – sue, das tut mir Leid zu lesen, dass du deinem Kraftstoff hinterherfahren musst und ihn kaum mehr kriegst. So kann man die Leute natürlich auch dazu zwingen umzusatteln. Hmm… dann drücke ich mal die Daumen, dass der Motor von deinem Mann hält und dass du immer noch irgendwo 95er oder 98er Super findest.
    Bislang kam es bei dir aber hoffentlich noch nicht zu einem Engpass, dass das Auto liegen geblieben ist?

    Euch allen weiterhin eine sichere und gute Fahrt.

    Euer Alex

  8. Volkmar Schoene |

    Hallo,

    ich finde den Artikel ganz spannend. Ich bin auch bekennder Dieselfan und wurde vor 15 Jahren belaechelt. Aber jetzt steigen viele meiner Freunde auf Diesel um. Der Vorteil liegt klar auf der Hand, mit Diesel geht die tour viel laneger als mit Benzin. Also ich stehe weiterhin auf Diesel.
    Gruß Volkmar

  9. Alex |

    Hallo Volkmar

    Ich finde Diesel auch klasse, als Familienkutsche (wegen Urlaub und langen Strecken), da ist der Diesel einfach unschlagbar. Allerdings bin ich Benzin-Fahrer und wie ich letztens in einer Reportage im Fernsehen gehört hatte, ist es auch so, dass Benzin umweltschonender ist als Diesel. Schon gewusst? 😉
    Gruß zurück und angenehmes Wochenende,

    Alex

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