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8th
NOV

Achtung: Immobilienscout24 und Betrugsversuche beim Hausverkauf

Abgelegt unter Erfahrungsberichte

Kürzlich wollten Bekannte von uns Ihr Haus – unter anderem – über Immobilienscout24 verkaufen. Habe ich daraufhin noch nach Betrugsfällen im Internet gesucht, so wurde ich nur fündig bei Vermietungen und Käufen von Wohnungen und Häusern. Nicht aber bei einem Hausverkauf, wie es hier der Fall war. So ist die übliche Masche bei den Betrügern die, dass man bei einem Kauf oder einer Mietwohnung zuerst eine Kaution anzahlen soll. Doch ist die erst einmal bezahlt, so ist das Geld weg und die Wohnung oder der Verkäufer existieren gar nicht. Doch wie sogar die Betrüger bei Hausverkäufen vorgehen, will ich Euch nun mit folgendem Zeitungsartikel aufzeigen – aufgepasst!

***

Eigentlich kennen heute alle die Masche der modernen Internetbetrüger – außer mir.
Da bietet man im Internet sein Haus zum Verkauf an, verspricht dabei sogar, auf Maklergebühren zu verzichten, und siehe da: kurz darauf melden sich die ersten Interessenten, sogar aus fernen Ländern.
Einer dieser Herrschaften heißt Calvin Brenton, ist Captain der US-Armee, wird bald aus seiner Einheit in Afghanistan ausscheiden und will sich gerne für ein paar Jahre an der Mosel niederlassen, bevor er nach Kentucky wieder heimkehren wird. Er hat in den Jahren im Nahen Osten ein Vermögen mit Rohöl gemacht, sodass er sich unser möbliertes Haus gut leisten kann.

Captain Brenton beschreibt in fast fehlerfreiem Englisch und in ausgesprochen vertrauenswürdigem Ton seine Lebensgeschichte – von seiner allzu früh an Krebs verstorbenen Frau, seinen beiden Töchtern Armanda und Sarah, die mit ihrem Kindermädchen darauf warten, mit ihrem Vater an der Mittelmosel vereint zu werden. Die Fotokopie seines Passes und Portraits wirbt um Vertrauen, die Bilder seiner noch erstaunlich jungen Töchter (er selbst ist 61 Jahre alt) zeigen süße Kleinkinder beim Spielen.
Man erzählt auf seinem besten Sonntags-Englisch von sich und vor allem den Vorzügen seines Hauses, was ihn aber nicht sonderlich zu beeindrucken scheint.
Tags darauf öffne ich eine weitere Mail eines an unserem Haus interessierten US-Soldaten, diesmal ein James Fidler, der zufällig auch in der Kompanie des Captain Brenton Dienst tut, auch bald aus der Army ausscheiden werde und ebenfalls Millionen mit Rohöl verdient habe. Dass diese reichen Offiziere alle so hinter unserem Haus her sind – einfach super!
Ein kurzes Befremden steigt in mir auf, als ich lese, dass auch James Fidlers Frau allzu früh an Krebs verstorben ist. Und als ich mir die Bildchen seiner beiden süßen Töchter näher anschaue, erkenne ich, dass sie erneut Armanda und Sarah beim Spielen zeigen. Honi soit qui mal y pense, sollte es so sein, dass sich die beiden Soldaten damals nicht auf einen Vaterschaftstest haben einigen können? Oder kann man inzwischen in den USA auch Kinder leasen? Oder sollte da mal wieder ein sozialer Entwicklungstrend an uns vorbei gegangen sein – Kid-sharing?
Der freundliche, fast brüderliche Ton von Captain Brenton in seiner Mail am nächsten Morgen wischt all meine Bedenken vom Tisch. Im Gegenteil, er zeigt sich heute als großzügiger US-Offizier, der mich an seinem Wohlstand (es handelt sich immerhin um ein Vermögen von 10,2 Millionen) teilhaben lassen will. 20% davon sichert er mir zu, wenn ich ihm vor dem Kauf des Hauses einen Gefallen tun könnte. „Für 20% habe ich in meinem langen Leben viel getan, für über zwei Millionen täte ich noch mehr“, geht es mir durch den Kopf.
Der Gefallen besteht eigentlich nur darin, eine Kiste, in der er sein ganzes Vermögen im Irak versteckt hält und die in den nächsten Tagen mit Hilfe eines Rote-Kreuz-Jets aus dem Irak nach Europa geflogen werde, im Anschluss in unserem Haus sicher zu verwahren, bis er selbst so schnell wie möglich nach komme. Der Transport dieser Kiste, die man auch auf einem scharf geschossenen Bild vor einem Helikopter liegen sieht, werde von einem sehr vertrauenswürdigen Diplomaten, der sich später als Diplomat Evan Tajo per Mail präsentiert, begleitet und persönlich hierher transportiert.
Wer übrigens von Euch Lesern demnächst Kisten zu transportieren hat oder einmal mit einem wirklichen Diplomaten telefonieren will – seine aktuelle Rufnummer kann ich gerne auf Anfrage weiterreichen.

„Na, dann lass die Mäuse mal hierher fliegen“, denkt sich bestimmt auch der geneigte Leser, und siehe da, am nächsten Tag kommt eine Mail, mit der der Transport bestätigt wird und für die Lieferung Kosten in Höhe von 1.895 EUR zu entrichten seien. Diese würden vom Diplomaten selbst entrichtet und von mir an eine ihm vertraute Person in der Türkei zu zahlen sein.
Eine Rückfrage bei Captain Brenton ergibt, dass das alles mit rechten Dingen zugehe und er natürlich für alle entstehenden Kosten im Zusammenhang mit der Lieferung, die aber auch wirklich von mir bei niemandem erwähnt werden dürfe, nachträglich stehen werde.
Während ich des Nachts kein Auge zukriege und mir überlege, wo im Haus der sicherste Platz der Verwahrung einer Kiste mit den Maßen 110x60x60 cm sein könnte, (denn wer wohnt schon gerne mit einem Schatz von über zehn Millionen in einem einsamen Haus?) fällt tags darauf mein Blick in das inzwischen stillgelegte Klo auf halber Treppe, wo heimliche Mitwisser oder geldgierige Einbrecher bestimmt nicht suchen würden, auch wenn man weiß: Geld stinkt nicht!

Der Diplomat lässt mich dann wissen, dass er zum Abheben bereit sei und ich ihn am nächsten Morgen auf dem Frankfurter Flughafen außerhalb der Sektion für Diplomaten wiedersehen werde, dass aber dabei Anlieferungs- und Aushändigungskosten in Höhe von 9.895 EUR anfielen, die er zuvor von mir bar ausgehändigt bekommen müsse.
Ich zucke zusammen: das geht einem Rentner glatt am Portemonnaie vorbei! Erneut bitte ich Captain Brenton um Intervention: ob er nicht von seinem US-Konto diese hohe, aber sicherlich berechtigte Transport-Schlussrechnung begleichen könne?
In einem letzten heulerisch (heuchlerisch), flehentlichen Ton bittet er mich, so kurz vor dem Ziel sein Ein und Alles, diese Kiste mit dem Inhalt für seinen Lebensabend, nicht aufs Spiel zu setzen, ich werde es nie bereuen, er schwört es, bei allem was ihm heilig sei!

Meine Verwirrung kennt kaum Grenzen. Sollte sich mein Plan mit dem leergeräumten Klo nicht erfüllen? Scheiß ich auf all das Geld und lass die Chance meines kleinbürgerlichen Lebens verstreichen?
Desperat greife ich zum Hörer und hoffe auf die Vertrautheit meiner Kinder mit dem Internet: Sie sollen mir einmal einen Captain Calvin Brenton, US-Bürger, per Internet gurgeln, oder so…
Wenige Minuten verstreichen, dann kommt der niederschmetternde Bescheid: „Breton“ oder wie sein richtiger Name auch immer sein mag, ist ein international bekannter Internetbetrüger, der immer wieder auf die gleiche Art versucht, Leute zu bescheißen.

Ich schleiche hinauf auf halbe Treppe, räume wieder allen unnötigen Kram hinter, neben und auf die verwaiste Kloschüssel und denke an alles, was ich mir in diesem Leben wohl dann doch nie leisten können werde.

***

Traurig, dass es immer wieder die Betrugsfälle im Internet gibt. Klar, gibt es die nicht nur dort sondern auch im realen Leben. Aber dennoch sind solche Geschichten immer wieder enttäuschend, da man weiß dass der ein oder andere Mitmensch an solchen Gaunern einige tausend Euro hängen lässt. Also egal ob Miete, Kauf oder eben auch sogar Verkauf einer Immobilie – man sollte stets wachsam sein. Immobiliensout24 wurde hier namentlich nur genannt, da das Inserat und somit auch der Betrugsversuch auf dieser Plattform statt fand. Auch auf allen anderen Immobilienwebseiten werden die Verbrecher Ihre Betrügereien versuchen. Augen auf!

Immobilienscout24 hat eigens die Sichere Immobiliensuche Unterseite eingerichtet, wo man über aktuelle Betrugsmethoden aufgeklärt wird und wo es Tipps für Mieter, Vermieter, Käufer und Verkäufer gibt. Des weiteren kann man auch über den angegebenen Link gleich unten auf der Startseite unseriöse Anbieter melden.

(Alex)

Leser Kommentare

  1. Mina |

    Die Captains sind auf immobilienscout nach wie vor aktiv. Gleich 2 haben sich gemeldet. Der erste war Captain Penrod Dietrich, und der zweite Captain Mark Derrick. Beide aus der amerikanischen Armee, wollen in mein Land übersiedeln und mein Haus mieten. Was wollen die nur alle hier
    Also Vorsicht ist weiterhin geboten.

  2. Bob |

    Hallo,
    Vielen Dank und ich freue mich über Ihre schnelle Antwort. Ich bin eine amerikanische Armee und bin an Ihrem Angebot wegen meiner Übersiedlung in Ihr Land interessiert.
    Bitte teilen Sie mir Ihren Endpreis in meiner privaten E-Mail mit:
    (diet52penrod@gmail.com)
    Grüße,
    Kapitän Penrod Dietrich.

  3. Karina |

    Cptn. Dietrich ist immer noch aktiv. Hat mir gestern erstmals und heute schon wieder geschrieben. Habe eine Wohnung in Berlin zu vermieten. Bei mir hat er seine emailadresse geringfügig verändert. Das tut er wohl, um bei den diversen Betrugsversuchen nicht durcheinanderzukommen :)
    Interessant: Er kann Umlaute wie Ä und Ü schreiben. Der Betrüger sitzt also vermutlich in Deutschland.

    Hallo,
    Vielen Dank und ich freue mich über Ihre schnelle Antwort. Ich bin eine amerikanische Armee und bin an Ihrem Angebot wegen meiner Übersiedlung in Ihr Land interessiert.
    Bitte teilen Sie mir Ihren Endpreis in meiner privaten E-Mail mit:
    (1951penrod01@gmail.com)
    Grüße,
    Kapitän Penrod Dietrich

  4. Alex |

    Hallo

    Danke Euch allen, die in der Zwischenzeit zu diesem leidigen Thema leider wieder kommentieren mussten.
    Es tut mir Leid, dass diese Masche immer noch zieht, aber bin froh, dass es Euch nicht erwischt hat und Ihr Euere Mitmenschen mit Euerm Kommentar hier gewarnt habt.

    Danke & alles Gute!

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